Wohnungserhaltung bei Haftstrafen

Haft führt nicht zuletzt auch zum Verlust der Wohnung. Obdachlosigkeit ist aber die größte Hürde zur Wiedereingliederung. Haftentlassenen fehlen meist nicht nur die finanziellen Mittel, um auf dem schwierigen Wohnungsmarkt gegen andere Wohnungssuchende zum Zug zu kommen. Ohne Wohnung ist aber auch keine regelmäßige Arbeit zu finden. Wird die Unterbringung in einer Notunterkunft deshalb zum Dauerzustand, schwindet nach und nach der Glaube, je wieder ein normales Leben führen zu können, die Perspektive verengt sich auf das Überleben am nächsten Tag, Resignation setzt ein.

Unser Projekt dient aber nicht nur der Vermeidung der seelischen und sozialen Kosten von Inhaftierung und Obdachlosigkeit. Gerade die finanziellen Kosten, die bei Wohnungsverlust durch Haft entstehen (Mietschulden, Gerichtskosten, Räumungskosten, Verlust von Inventar und persönlicher Habe, Kosten der Wohnungslosenhilfe, Neuanmietungs- und Einrichtungskosten), übersteigen die Aufwendungen für fortlaufende Mietzahlungen bis zu einem Jahr um das Siebenfache (Deutscher Städtetag, Beiträge zur Sozialpolitik, 1987).

In Zusammenarbeit mit dem Sozialamt bemühen wir uns deshalb, die Wohnung des Inhaftierten, wenn nötig durch Zwischenvermietung, bis zu seiner Entlassung zu sichern. Es kommt darauf an, die notwendigen Schritte zur Wohnungserhaltung möglichst frühzeitig, noch vor einer Kündigung oder gar Räumungsklage, in Angriff zu nehmen. So überzeugt unser Projekt gerade dadurch, dass alle Beteiligten gewinnen: der Vermieter durch Vermeidung von Mietausfällen, das Sozialamt durch Verhinderung von Obdachlosigkeit, der Mieter durch Erhaltung seiner Wohnung und nicht zuletzt die Justiz (verbesserte Wiedereingliederungsbedingungen).

Betreutes Wohnen

Die mit dem Ziel der Resozialisierung formulierten Hilfen für wohnungslose Haftentlassene (ambulante Beratung, Übergangswohnungen) werden zunehmend von erwachsenen, langjährig drogen- und/oder alkoholabhängigen Menschen nachgefragt, für die eine stationäre Behandlung nicht, noch nicht oder nicht mehr indiziert ist. Jenseits der an strikte Abstinenz gebundenen therapeutischen Wohngemeinschaften und den betont niedrigschwelligen Formen der Unterbringung von Drogenabhängigen hat der Verein aus seiner Praxis eine Form der Hilfe entwickelt, die auf Normalität und Verselbständigung zielt.

Die Klienten leben in geeignetem eigenem oder vom Verein zur Verfügung gestelltem Wohnraum in Frankfurt und werden bereits bei der Anmietung, Renovierung und Einrichtung begleitet, beraten und unterstützt. Weitere Inhalte der Betreuung sind: Hilfe bei der wirtschaftlichen Haushaltsführung, Alltagsstrukturierung, Zugang zu Arbeit und Beschäftigung, Herausfinden des vorhandenen Selbsthilfepotentials und dessen Stärkung, Entwickeln von Handlungsmöglichkeiten und Perspektiven.

Das „Betreute Wohnen“ ist zeitlich auf ein Jahr befristet und gilt denjenigen, die gerade wegen ihrer kumulierten Problemlagen aktiv an der Überwindung ihrer ungesicherten Lebensverhältnisse interessiert sind.

Übergangswohnungen

Mittellos und ohne Wohnung aus der Haft entlassen zu werden, ist eine besonders schwierige soziale Lage. Die Verhinderung von Obdachlosigkeit nach der Haft ist die erste und wichtigste Voraussetzung für die Wiedereingliederung unserer Klienten, auch die vorzeitige Entlassung auf Bewährung ist ohne festen Wohnsitz nicht möglich. Dau­erhafte Überwindung von Obdachlosigkeit ist aber nicht nur an die Vermittlung einer Unter­kunft gebunden. Vielmehr bietet erst die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und seine eigenen „vier Wände“ zu gestalten, Anlass und Motiv, sich mit Wohnverhältnissen aus­einan­der zu setzen. Der Gesetzgeber hält hierzu fest:

Aufgabe der Sozialhilfe ist es, den Leistungsberechtigten die Führung eines Lebens zu ermöglichen, das der Würde des Menschen entspricht. Die Leistung soll sie so weit wie möglich befähigen, unabhängig von ihr zu leben; darauf haben auch die Leistungsbe­rechtigten nach ihren Kräften hinzuarbeiten. “ (SGB XII § 1)

In diesem Sinne verstehen wir unser Angebot von vereinseigenen Wohnraum, den wir einem kleinen Teil unserer Klienten als Starthilfe nach der Haft zur Verfügung stellen können. Es handelt sich um voll möblierten Zwei-Zimmerwohnraum in normalen Mietshäusern mit neutralen Adressen. Hier können sich die Klienten unter realistischen Be­dingungen mit allen Aufgaben und Pflichten aber auch den Gestaltungsmöglichkeiten in Freiheit wieder vertraut machen. Ziel der Hilfe ist, dass die Klienten von hier aus mit unserer Unterstützung in einem Zeitraum von bis zu sechs Monaten ihre Angelegenhei­ten neu geordnet haben und zumindest eigenen Wohnraum beziehen.

Wohnen +

Projekt Wohnen +    zeitlich befristeter Wohnraum zur Nutzung und Betreuung

Die Idee

Unser Verein mietet Ihren Wohnraum an, schließt mit potentiellen Nutzer*innen diesbezügliche Betreuungs- und Nutzungsverträge ab und die drei Parteien, Wohnungsvermieter*in, Mieter und Nutzer*in proben für ein Jahr eine zufriedenstellende Nutzung des Wohnraums. Wir als Mieter übernehmen auch gerne die Renovierung vor Einzug. Sollte, und das dürfte der Regelfall sein, Alles zur Zufriedenheit verlaufen, wird der Mietvertrag an die Nutzer*in übergeben werden können.

Hausbesuche sind Bestandteil unserer Betreuungs- und Nutzungsverträge mit unseren Klient*innen die den zur Verfügung gestellten Wohnraum nutzen sollen. Die Unterstützung auch in Wohnungsbelangen gehört ebenso dazu.

In jedem Fall stehen wir unseren Vermieter*innen und Klient* innen jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung.

Für unsere regelmäßigen Hausbesuche und die Arbeit unseres Betriebshandwerkers in den Wohnungen ist optimal, möglichst Wohnungen örtlich nahe beieinander zu mieten.

Das Ziel

Unser Projekt hat zum Ziel, die soziale und berufliche Situation unserer Klient*innen zu verbessern und sie zu verselbständigen.

Der Hintergrund

Schon seit einigen Jahren fällt es uns immer schwerer, unsere Klient*innen im Anschluss an unsere Wohnprojekte in eigenen Wohnraum zu vermitteln. Das ist vor allem bei Personen, deren Resozialisierung weitestgehend erfolgreich war, sehr schade. Auch die Registrierung beim Amt für Wohnungswesen führt inzwischen in den seltensten Fällen zum gewünschten Erfolg, die Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt ist auch bei Sozialwohnungen einfach zu groß.

Der Kontakt

Für eventuelle Rückfragen stehen wir selbstverständlich gerne auch für persönliche Vorsprachen zur Verfügung.